Regenbogenfamilien in Berlin

Schwangere Frau mit blauen Haaren sitzt auf dem Sofa und hält ihren Bauch. An ihr lehnt eine zweite Frau die auch eine Hand auf den Bauch der Schwangeren gelegt hat.

Familie ist viel mehr als „Vater, Mutter, Kind“. Denn Familienmodelle sind vielfältig. Familie lässt sich nicht allein an sexueller Orientierung und geschlechtlicher Identität festmachen, sondern vielmehr an der Bereitschaft, füreinander Verantwortung zu übernehmen und Kindern ein liebevolles Zuhause zu bieten.

Was sind Regenbogenfamilien?

Das gesellschaftliche Verständnis von „Familie“ verändert sich mit dem Lauf der Zeit. Statt den Begriff auf das klassische Familienbild von „Vater, Mutter, Kind“ zu reduzieren, ist Familie überall dort, wo Menschen dauerhaft gegenseitig füreinander Verantwortung übernehmen. Berlins Aufgabe ist es, allen Menschen gesellschaftlich und rechtlich das Leben als Familie zu ermöglichen.

Mit Familie wird hier jede Lebensform bezeichnet, in der mindestens ein erwachsener Mensch mit mindestens einem Kind zusammenlebt und die durch eine Sorgebeziehung gekennzeichnet ist.

Entscheidend ist, dass die Werte der Familie im Alltag gelebt werden. Dazu gehören unter anderem ein sicheres und geborgenes Umfeld, gegenseitige Fürsorge und ein respekt- und liebevoller Umgang miteinander. Familien übernehmen jederzeit füreinander Verantwortung - so auch in Regenbogenfamilien oder queeren Familien. Hier ist mindestens ein Elternteil lesbisch, schwul, bi, trans*, inter* oder nicht-binär.

Die gleichgeschlechtliche Ehe und Elternschaft

Seit dem 1. Oktober 2017 können lesbische und schwule Paare ebenfalls heiraten. Sie haben weitgehend die gleichen Rechte und Pflichten wie heterosexuelle Eheleute. Das bedeutet auch, dass sie nun auch gemeinschaftlich ein Kind adoptieren dürfen. Dieser Prozess nennt sich Fremdkindadoption. 

Wird ein Kind in eine Ehe geboren, ist bei einer heterosexuellen Ehe der Ehemann automatisch rechtlich Vater des Kindes. Auch ohne Ehe kann ein Mann jederzeit eine Vaterschaft unkompliziert anerkennen. 

Wird das Kind in eine lesbischen Ehe geboren, hat nur die leibliche Mutter das Sorgerecht. Die Ehepartnerin ist dagegen kein Elternteil. Sie muss in einem aufwändigen Verfahren das gemeinsame Kind adoptieren. Die leibliche Mutter und auch der private Samenspender müssen der Adoption zustimmen. Hier gibt es jedoch auch Ausnahmen. Dieser Prozess heißt Stiefkindadoption. Dasselbe gilt für nicht-binäre zweite Elternteile. 

Wenn bei schwulen Ehepartnern ein Partner Kinder aus einer vorherigen Beziehung hat, ist hier ebenfalls eine Stiefkind-Adoption möglich. Auch hier ist Voraussetzung, dass die leibliche Mutter der Adoption zustimmt. 

Trans*, diverse und nicht-binäre Eltern

Mit dem am 1. November 2024 in Kraft getretenen Gesetz über die Selbstbestimmung in Bezug auf den Geschlechtseintrag (SBGG) ist nicht nur viel Bürokratie weggefallen. Es ermöglicht trans* und nicht-binären Menschen, einfacher entsprechend ihrer geschlechtlichen Identität zu leben. 

Das neue Gesetz enthält keine Anpassung des Abstammungsrechts. Das Abstammungsrecht regelt, wer rechtlich Elternteil sein darf. Paragraf 11 SBGG enthält bis zur Anpassung des Abstammungsrechts eine Übergangsregelung. Diese besagt:

  • Ein trans* Mann, der ein Kind gebiert, wird rechtlich als „Mutter“ eingetragen.
  • Eine trans* Frau, die ein Kind gezeugt hat, kann durch gerichtliche Feststellung „Vater“ werden.
  • Vaterschaft durch Ehe oder Anerkennung orientiert sich am Geschlechtseintrag zum Zeitpunkt der Geburt des Kindes.
  • Der Elternteil, der das Kind nicht geboren hat, und den Eintrag „männlich“ bei Geburt des Kindes hat, wird als „Vater“ eingetragen.
  • Ein nicht gebärender trans* Mann kann zweiter rechtlicher Elternteil werden, durch Vaterschaftsanerkennung oder qua Ehe. 

Die Sonderregelung für Personen nach Geschlechtseintragsänderung besagt:

  • Bei der Geburtsbeurkundung kann erklärt werden, dass der frühere Geschlechtseintrag „männlich“ maßgeblich sein soll.
  • Dies ermöglicht auch trans* Frauen, die früher als „männlich“ eingetragen waren, als „Vater“ rechtlicher Elternteil zu werden.

Personen mit dem Eintrag „divers“ oder ohne Geschlechtseintrag können „Mutter“ oder „Vater“ werden, wenn sie das Kind geboren oder gezeugt haben. 

Seit dem 1. November 2024 gibt es eine Bezeichnungsoption in der Geburtsurkunde des Kindes. Alle als „Mutter“ oder „Vater“ eingetragenen Personen können auf Wunsch in der Geburtsurkunde geschlechtsneutral als „Elternteil“ bezeichnet werden.

Passgenaue Beratung für queere Paare und Familien

Regenbogenfamilien sehen sich heute immer noch besonderen Herausforderungen gegenüber - gesellschaftlich und rechtlich. Nach wie vor gibt es zahlreiche Vorurteile gegen queere Eltern, auch wenn diese wissenschaftlich längst widerlegt sind.

Tagesschau Faktenfinder: Wie geht es Kindern in „Regenbogenfamilien“?

Ning et.al. (2023): Family outcome disparities between sexual minority and heterosexual families: a systematic review and meta-analysis (englisch)Deutsche Zusammenfassung (MDR)

Gerade wenn queere Menschen Eltern werden, wird es mitunter rechtlich kompliziert. Die Regelungen sind komplex und nicht auf Anhieb für jede oder jeden zu durchschauen. Zudem haben queere Menschen mit Kinderwunsch und queere Eltern mitunter einen höheren bürokratischen Aufwand und müssen öfter auch bei Behörden für ihre Rechte kämpfen.

Hinzu kommen die ganz „normalen“ Herausforderungen, die das Elternsein mit sich bringt. In den drei Berliner Regebogenfamilienzentren finden Lesben, Schwule, Bisexuelle, inter* und trans* Menschen (LSBTIQ+) passgenaue Beratungs- und Unterstützungsangebote.

Die Berliner Regenbogenfamilienzentren

  • Regenbogenfamilienzentrum Schöneberg

    Regenbogenfamilien und solche, die es werden möchten, können sich hier informieren und begegnen. Das Regenbogenfamilienzentrum in Berlin Schöneberg hat ein breites Angebot für queere Menschen und Fachkräfte: 

    • Beratung zu Kinderwunsch- und Familienfragen für LSBTIQ*
    • Rechtsberatung
    • Babytreff
    • Geburtsvorbereitung für Queers
    • offener Spielenachmittag
    • Angebote zum Thema Kinderwunsch – Infos, Austausch und Vernetzung
    • Angebote für sozialpädagogische Fachkräfte, Familienzentren und andere Fachkräfte, die mit Familien arbeiten

    Das Regenbogenfamilienzentrum in Schöneberg ist ein Projekt des LSVD Verband Queere Vielfalt Berlin-Brandenburg e.V.

    Kontakt

    Regenbogenfamilienzentrum in Berlin Schöneberg

    Cheruskerstraße 22
    10829 Berlin

    Telefonnummer: 030 754 377 040

    E-Mail

  • Queeres Regenbogenfamilienzentrum in Friedrichshain

    Das queere Regenbogenfamilienzentrum in Friedrichshain (QRFZ) schafft einen sicheren, wertschätzenden Raum für queere Menschen, Familien sowie Unterstützerinnen und Unterstützer. Sie sind Anlaufstelle für queere Familien, für queere Personen mit Kinderwunsch und bieten neben Beratung, Freizeit- und Gruppenangebote an:

    • Offenes Angebot
    • Beratung – auch telefonisch
    • Queeres Familiencafé und Gesprächskreis
    • Angebote für TIN-Eltern
    • Austauschgruppe für Eltern und Bezugspersonen von geschlechtskreativen und trans* Kindern und -Jugendlichen
    • Spieltreff für trans* und geschlechtskreative Kinder
    • Gesprächskreis Co-Elternschaft
    • Gesprächskreis für schwangere Personen und werdende Eltern
    • Queere Familiennachmittage und Krabbelgruppen
    • Austauschrunde Kinderwunsch
    • Paar-, Beziehungs- und Elternberatung

    Das queere Regenbogenfamilienzentrum Berlin ist ein Angebot der Trialog Jugendhilfe gGmbH.

    Kontakt

    Queeres Regenbogenfamilienzentrum in Friedrichshain

    Seumestraße 26
    10245 Berlin

    Telefonnummer: 030 315 117 734

    E-Mail

  • Regenbogenfamilienzentrum Lichtenberg

    Das Regenbogenfamilienzentrum Lichtenberg bietet einen Ort der Stärkung, Unterstützung und des Austauschs für lesbische, schwule, bi+, pan, trans*, inter*, nicht-binäre und queere (LSB+TIQ*) Menschen mit Kinderwunsch, queere Schwangere und werdende Eltern sowie Regenbogenfamilien unterschiedlichster Konstellationen und ihre Kinder. Hier finden Familien Angebote rund um Beratung, Gruppentreffen und Freizeitangebote.

    Darüber hinaus bietet das Regebogenfamilienzentrum Lichtenberg Bildungs- und Informationsveranstaltungen für Fachkräfte, Eltern und Erziehungspersonen sowie alle Interessierten.

    Zu den Angeboten des Regebogenfamilienzentrums Lichtenberg gehören unter anderem:

    • Beratung zum Themenfeld queere Familie
    • Krabbel- und Babytreff für queere Eltern mit Kindern
    • Spielnachmittag für queere Eltern mit Kindern
    • Regenbogenfamilien-Brunch
    • Outdoor-Aktivitäten
    • Bildung und Vernetzung

    Das Regenbogenfamilienzentrum Lichtenberg ist ein Angebot des Vereins Lesben* Leben Familie (LesLeFam e. V.).

    Kontakt

    Regenbogenfamilienzentrum Lichtenberg

    Dolgenseestraße 21
    10319 Berlin

    Telefonnummer: 0177 638 33 27

    E-Mail

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